Der Anfang von Rammstein

Die Entstehung der Band RAMMSTEIN

 

Richard´s Heimat ist Schwerin. Dort empfand er seine Möglichkeiten begrenzt - ihm wurde klar das es dort nur wenig Menschen gab die Musik aus Leidenschaft machen, er musste immer mobiliesieren ...

So ging er 1988 nach Berlin. Er kannte dort keinen Menschen, wohnte in einem kleinen Hinterhof in der Lychener Straße wo er den ganzen Tag musizierte.

Die Zeit in Berlin war durch die "Wende" geprägt. Am 10.Oktober 1989 geriet er durch Zufall in eine Demonstration. Er war auf einmal in einem Kreis von Polizisten eingeschlossen und wurde auf einem LKW, nach stundenlanger Fahrt, auf eine Polizeistation irgendwo in Weißensee gebracht. Dort musste er 6 Stunden an einer Wand stehen und wenn er sich bewegte wurde er geschlagen. Obwohl er absolut nichts mit der Demonstration zu tun hatte interessierte das die Polizei herzlich wenig. Nachdem er dann nach 3 Tagen freigelassen wurde war er so fertig und dachte "Das reicht!" Er fasste zum ersten Mal den Entschluss die damalige DDR zu verlassen. Er flüchtete über die grüne Grenze von Ungarn nach Österreich - sein Ziel war Westberlin.

1993 fasste er den Entschluss seine eigene Band zu gründen. Zu der Zeit war er musikalisch stark von amerikanischer Musik geprägt. Er war auf musikalischer Entdeckungsreise - probierte mit seiner Band und spielte Demos ein. Dann trennte sich die Mutter seines Kindes von ihm und er fiel zum ersten Mal in ein tiefes Loch. Er wollte immer in einer erfolgreichen Band spielen und die Sucht nach dem Erfolg hat ihn völlig verkrampft.

Inzwischen war die Mauer geöffnet und er ist nach einem Jahr Westberlin zu Till nach Schwerin gezogen. Till hatte eine kleine Werkstatt in der er Körbe geflochten hat. Dort sang er auch ab und an.  Richard lauschte Till oft und war von der kraftvollen Stimme beeindruckt. Später dann nahmen sie das mal auf - ohne irgendeinen bestimmten Grund.

Zwei, drei Wochen später rief Richard dann bei Till an und fragte ob er nicht Lust hätte zu singen. Er kam nach Berlin, doch er brachte im Proberaum kein Wort heraus. Dann holte sich Till eine Flasche Korn und als er die ausgetrunken hatte kamen zwei kleine Worte "ja" und "nein".

Zu dieser Zeit war Richard von Amerika total fasziniert. Nicht wegen der Musik sondern weil in diesem Land alles möglich sein soll. Nach den eingemauerten Jahren in der DDR war Amerika der Inbegriff von Freiheit für ihn. Dann sind er, Olli und Till das erste Mal nach Amerika geflogen.

In Amerika wurde Richard klar das seine Musik, die er bis dahin machte, nicht wirklich was mit ihm zu tun hatte. So kehrten sie zurück und Richard kam die Idee, ein Projekt zu schaffen, dass mit deutscher Musik zu tun hat. Es stand die Grundidee Maschinen und Gitarren - harte Gitarren - zusammen zu bringen. Das wollte er versuchten.

Er wohnte zu der Zeit mit Olli und Schneider zusammen den er durch die "Firma" kannte. Die drei arbeiteten zusammen an einem Projekt und Richard fiel auf das es schwer war gleichzeitig zu komponieren und zu texten. Er musste sich entscheiden.

Zur gleichen Zeit gab es in Berlin einen Wettbewerb für junge unerfahrene Bands. Der Hauptpreis war eine Woche in einem professionellen Studio. Bedingung ein Demo. Das Demo haben sie damals bei Richard produziert. Das Problem dabei war, dass sie nur ein 4-Spur-Gerät und einen kleinen Drumcomputer hatten. Till kam meistens nachts und hat dann alles unter einer Bettdecke eingesungen, weil die anderen nicht so laut sein durften. Das Demo haben sie eingeschickt und sofort gewonnen.

Der fünfte, der zu der Zeit großes Interesse an der Band hatte, war Paul. Richard fand Paul´s offene Art wichtig. Spannend fand er auch verschiedene Leute zusammen zubringen, die verschiedene Denkansätze haben, nur so kann wirklich Kreativität entstehen. Deswegen fand Richard es gut wenn Paul bei ihnen mitmacht.

Für den Maschinensound fehlte jetzt noch ein Keyboarder. Der zukünftige sechste Mann, Flake, hat sich sehr lange geweigert. Als dann alle zusammen waren: Olli, Richard, Till, Schneider, Paul und Flake wurden sie eine verschworene Gemeinschaft, eine Art Gang. Das Interessante an dieser Konstellation war, dass zu dieser Zeit alle mit ihrer Beziehung gebrochen hatten. Jeder hatte Schwierigkeiten mit seiner Frau, sie hatten alle die gleiche Ausgangsposition und konnten die Gefühle des anderen nachvollziehen.

Alle sechs wussten: Sie zusammen haben das Potenzial die Welt zu verändern. Sie haben damals nicht über Verträge oder Erfolg nach gedacht, sie wollten nur zusammen sein und Musik machen. Sie probten ziemlich lange - in Schwerin und Berlin, waren fast jeden Tag zusammen.

Am Anfang lief es noch gut doch später dann es gab verschiedenen Probleme. Mit Paul zum Beispiel.  Da war plötzlich ein zweiter Gitarrist. Für Richard war es eine neue Erfahrung mit zwei Gitarristen zusammen zu spielen. Es waren harte Kämpfe. Die Auseinandersetzungen innerhalb der Band bestehen bis heute, was bei allen Kreativität freisetzt.

Alle Ideen müssen zuerst durch den RAMMSTEIN-Filter bevor es RAMMSTEIN wird. Erst dann fühlen sich alle damit wohl. Das hat sich bis heute bewehrt.

Nach langen Kämpfen, endlosen Proben, vielen Diskussionen und schlaflosen Nächten war das erste Demo fertig. 1995 war es dann endlich soweit. Emu, der Manager, hatte den ersten Plattenvertrag organisiert. Im gleichen Jahr begann ihre erste Produktion einer Langspielplatte.Es war schwer einen Produzenten für eine unbekannte Band zu begeistern. nach langen Suchen trafen sie auf Jakob Hellner, einem schwedischen Produzenten.

Die erste Produktion: Sie waren in Stockholm und hatten zwei Wohnungen. Eine in der Stand, die andere außerhalb. Die ersten Titel wurden im Polarstudio, dem ehemaligen ABBA-Studio, aufgenommen. Am Anfang war alles produktiv - alle wollten den ganzen Tag arbeiten. Aber dann entstand Disharmonie - das spürten alle.

Es gab viele Streits, jeder wollte sich positionieren. Es ging um Macht, Kompetenz und Hierarchie. Jakob wollte mit Till allein arbeiten und hielt ihn von den anderen fern. Das funktionierte natürlich nicht. Das Chaos war riesengross. Es war die erste Platte und die hatte natürlich existenzielle Bedeutung - hier wurden die Weichen für die Zukunft gestellt. Es war eine harte Zeit und schliesslich wurde die Produktion abgebrochen, Alle fuhren zurück nach Berlin und überlegten wie es weiter gehen soll.

Sie fingen an in Hamburg, mit einem neuen Ingenieur, zu mixen und so entstand "Herzeleid".

   

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